Der Fall „Arday“ hat viel Staub aufgewirbelt.
Die Geschichte jenes Mannes, der alle möglichen Dinge über sein Privatleben und seine berufliche Laufbahn behauptet hat, von denen viele nachweislich nicht stimmen und einige zumindest nicht belegt werden konnten, ging durch viele Medien.
Das lag nicht nur daran, dass Jason Arday vor kurzem tot aufgefunden worden war und wahrscheinlich Suizid begangen haben dürfte, sondern auch und wohl vor allem an der Tatsache, dass er schwarz war.
Jason Arday hatte behauptet, „Visiting Professor“ an der Ohio State University sowie an der University of Glasgow gewesen zu sein und einen Master in Psychodynamic Practices/Psychodynamic Counselling an Birkbeck, University of London absolviert zu haben und anschließend als Counsellor qualifiziert worden zu sein. Die ersten beiden Universitäten bestreiten diese Behauptungen, an der dritten lassen sich keine entsprechenden Unterlagen finden.
Außerdem hatte Arday von einer Buchpublikation gesprochen, die es (noch) nicht gibt, sowie seine Teilnahme bei diversen Charity-Veranstaltungen angeführt und auch, dass er im Zuge solcher Veranstaltungen – die oft einen Sporthintergrund aufwiesen – über fünf Millionen Pfund gesammelt hätte.
Die sportlichen Höchstleistungen, die er laut eigenen Angaben in diesem Kontext erbracht haben soll, klingen unglaublich.
So hatte er beispielsweise davon erzählt, dass er 30 Marathons in 35 Tagen absolviert habe sowie 300 Meilen auf einem Laufband gelaufen sei und 600 Meilen in sechs Tagen. Das ist zwar nicht prinzipiell unmöglich, aber doch eher unwahrscheinlich.
Für die Geschichte, Unbekannte hätten vor dem Haus seiner Eltern einen Schweinskopf abgelegt, gibt es ebenfalls keinerlei Belege, obwohl ein solcher Vorfall mit ziemlicher Sicherheit von der Polizei aufgenommen worden wäre.
Das Spannende am Fall Arday ist aus meiner Sicht, wie Medien und die akademische Welt damit umgegangen sind.
Letztere hat sich aus meiner Sicht von Anfang an sehr unkritisch dem vermeintlichen Wunderkind Jason Arday gegenüber verhalten, seine Behauptungen ungeprüft übernommen und ihm den Weg zu einer Karriere als Universitätsprofessor geebnet.
Kritiker Ardays hingegen wurden von Anfang an als „rechts“ bis „rassistisch“ verunglimpft, der Sachgehalt ihrer Kritik jedoch gar nicht erst überprüft.
Bei Medien sieht die Sache etwas anders aus: Viele von ihnen sehen Arday mittlerweile äußerst kritisch, doch es gibt einige linksliberale bis linke Medien, die auch jetzt noch davon sprechen, dass Jason Arday einer rassistischen Kampagne zum Opfer gefallen sei.
Das Problem am Rassismus-Vorwurf scheint mir jedoch:
Jason Arday selbst hatte sich genau dieses Vorwurfs bedient, um Kritiker mundtot zu machen.
Der Vorwurf seiner Kritiker wiederum, er wäre ein gutes Beispiel dafür, wie „Affirmative Action“ scheitern kann, scheint mir legitim.
Es ist ein fundamentaler Eckpfeiler moderner Wissenschaft, davon auszugehen, dass unsere Erkenntnisse von heute schon morgen widerlegt sein könnten.
Ein Wissenschafter und mit ihm der institutionelle Wissenschaftsbetrieb sowie ihm wohlwollend gegenüberstehende Medien können diesen Eckpfeiler nicht einfach herausreißen, indem sie postulieren, dass das Prinzip der Falsifikation (siehe Karl Popper) im Falle von Individuen, die einer Gruppe angehören, die vielleicht einmal Diskriminierung erfahren hat oder immer noch erfährt, nicht zur Anwendung kommen darf.