Leben ist lebensgefährlich

Corona ist noch nicht überwunden, die Infektionszahlen steigen wieder, auch in Österreich.

Doch bereits jetzt machen Menschen – vor allem viele junge – Party.

Der Sommer ist da, der Alkohol fließt in Strömen, die Hormone sowieso.

Wer jung ist, will das Leben genießen, wie könnte man das den Menschen verübeln?

Die Frage, wer für wen auf was verzichten sollte bzw. muss, ist keine leicht zu beantwortende.

Das Argument mit der Wirtschaft, die vor die Hunde geht und damit uns alle in den Abgrund zieht, ist eines, das rund um den so genannten „Lockdown“ zu hören war.

Es ist m.E. legitim.

Doch ist es nicht ebenso zulässig, dass Menschen, vor allem junge, die – statistisch betrachtet – durch Corona weniger gefährdet sind als Mitglieder von Risikogruppen (z.B. Alte), ihr Leben in vollen Zügen leben, sprich: ungehindert genießen wollen?

Dass eine dieser Gruppen von der anderen totale Askese fordert, ist jedenfalls schwer zu begründen.

Das Leben geht weiter und der Tod wird immer ein Bestandteil davon sein.

Totale Sicherheit kann es niemals geben.

Wer sie möchte, muss sich in einen Atombunker setzen.

Aber einen solchen Rückzug kann er nicht allen anderen Menschen verordnen.

Wir sollten uns einen „modus operandi“ überlegen, wie wir die berechtigten Interessen aller Gruppen in diesem Spiel am besten in Einklang bringen können.

Weißes Grab

Ich werde es nie verstehen:

Wie kann man freiwillig sein Leben riskieren – und dann auch noch einfach „zum Spaß“?

In der ORF-Diskussionsrunde „Im Zentrum“ berichtete die Moderatorin über junge SkifahrerInnen bzw. SnowboaderInnen, die – im Wissen um die Gefahr (Stichwort „Lawinen“) – abseits der Piste unterwegs sind.

Auf die Frage, warum sie das tun, würden sie Bergrettern sinngemäß antworten: „Wir wissen, dass das gefährlich ist, tun es aber trotzdem, weil wir den Kick mögen.“

Nun soll es Menschen, die keinen allzu großen Wert darauf legen, ein langes Leben zu leben, sondern lieber daran interessiert sind, ihre Zeit auf Erden möglichst intensiv und damit – vielleicht – auch kürzer als andere zu erleben, erlaubt sein, genau das zu tun.

Jeder ist seines Glückes Schmied und die eine, einzig richtige, weil aus ethischer Sicht korrekte Weise, das eigene Leben zu leben, gibt es nicht.

Doch spätestens an dem Punkt, wo durch die eigene Lebensweise andere Menschen in Gefahr kommen, hört sich der Spaß auf und somit auch die Freiheit, tun zu dürfen, was immer man will.

Wie kommen die MitarbeiterInnen der Bergrettung dazu, ihr Leben für Menschen zu riskieren, die ohne Not sich selbst und dann eben auch die Hilfskräfte in Gefahr zu bringen?

Aufrechter Gang & gebückte Haltung

Deutschland ist Fußballweltmeister – herzliche Gratulation!

Die Leistungen des deutschen Teams, nicht zuletzt der 7:1-Sieg gegen den Gastgeber Brasilien, waren tatsächlich beachtlich und auch die Coolness, im Finale gegen Argentinien Ruhe zu bewahren und den zum Greifen nahen Sieg nicht im wahrsten Sinne des Wortes zu verspielen, hat die deutsche Nationalmannschaft gut hingekriegt.

Weniger cool war jedoch die Einlage, welche die Spieler nach ihrer Rückkehr unter den Jubelrufen ihrer Fans vor dem Brandenburger Tor in Berlin geboten haben:

„So geh’n die Gauchos, die Gauchos, die geh’n so!“ spotteten Mario Götze, Miroslav Klose, Toni Kroos, André Schürrle, Shkodran Mustafi und Roman Weidenfeller über die unterlegenen Argentinier und stolperten dabei in gebückter Haltung über die Bühne.

Die darauf folgende Textzeile des Siegerliedes – „So geh’n die Deutschen, die Deutschen, die geh’n so!“ – absolvierten sie im aufrechten Gang.

In welchem Kontrast zu solch‘ würdelosem Verhalten steht dazu dasjenige von Jogi Löw, der nach dem Sieg über Brasilien einige der Spieler der gegnerischen Mannschaft umarmte und tröstete und ihnen damit seinen Respekt zollte.

Mann muss keine Nazi-Vergleiche anstellen – es muss Deutschland im Jahr 2014 selbstverständlich genauso vergönnt seine, eine Fußball-WM zu gewinnen und sich darüber zu freuen, wie jedem anderen Land dieser Welt -, aber das geht einfach nicht.

Wer sich so über den eigenen Erfolg freut, dass er das unterlegene Team auch noch außerhalb des Spielfeldes demütigt, hat den Sieg vielleicht aus fußballerischer Sicht verdient.

Aus moralischer aber bestimmt nicht.

Gute Menschen & das Glück

Soeben sind meine beiden Bücher

„Gut Mensch“ (Goldegg Verlag) und

„Glück“ (facultas.wuv)

erschienen.

ZUM INHALT von „Gut Mensch“

„Gut Mensch“ ist eine allgemein verständlich geschriebene Abhandlung über Ethik, sprich: Moralphilosophie.

Zunächst werden die für das Thema wichtigsten Grundbegriffe wie z.B. „Freiheit“, das „Gute“, „Sollen“ erläutert. Anschließend gehe ich auf die bekanntesten Versuche ein, Moral zu begründen, unter Rückgriff auf „Gott“, die „Natur“, das „Gewissen“ usw. Diesen eher allgemeinen Ansätzen folgt eine Darstellung der wichtigsten „klassischen Positionen“, von Aristoteles über Kant und den Utilitarismus (Bentham, Mill) bis hin zur Diskursethik (hier: nach Habermas) und dem interessenbasierten Ansatz von Norbert Hoerster.

Die letzten sechs Kapitel von „Gut Mensch“ diskutieren die aus meiner Sicht spannendsten Themenkomplexe der so genannten „angewandten Ethik“. Dies sind unter anderem „Bioethik“, „Tierethik“ und „Wirtschaftsethik „.

ZUM INHALT von „Glück“:

„Glück“ ist kein Ratgeber im üblichen Sinne, sondern eine kulturhistorische Abhandlung: Was haben antike Mythologie, Märchen und Volkssagen, was Theologie, Philosophie und politische Theorie, was Psychologie und Glücksforschung zum Thema „Glück“ herausgefunden?

„Glück“ ist Teil einer aus zehn Bänden bestehenden und von Konrad Paul Liessmann heraus gegebenen Reihe mit dem Titel: „Grundbegriffe der europäischen Geistesgeschichte“. Weitere Bände aus dieser Reihe sind etwa „Freiheit“, „Gerechtigkeit“, „Macht“, „Wahrheit“, „Tod“.

Hau den Rogan?

Der österreichische Schwimmer Markus Rogan wurde, eigenen Angaben zufolge, in einer italienischen Diskothek von vier Türstehern verprügelt.

Die Aussage der Türsteher fällt, erwartungsgemäß, anders aus: Rogan hätte, stark alkoholisiert und mit einer zerbrochen Flasche in der Hand, im Lokal getanzt, wäre als Gefahr für die übrigen Besucher eingestuft und daher von den Security-Männern nach draußen gebracht worden.

Daraufhin wollte er sich angeblich wieder in die Disko zurück schleichen, wäre dabei über einen Zaun gekraxelt, hinunter gefallen und hätte sich im Zuge dieses Sturzes selbst verletzt.

Hier steht Aussage gegen Aussage und es ist sehr unwahrscheinlich, dass jemals geklärt werden kann, wer die Wahrheit sagt und wer lügt. Beide Seiten werden wohl „ihre“ Zeugen finden.

Dominic Heinzl, Anchorman von „Hi Society“, der Boulevardsendung auf ATV, scheint, im Unterschied zum Rest der österreichischen Journalisten, Informationen zu besitzen, die Rogan als Lügenbaron überführen könnten.

Zumindest klingt es danach, denn in seiner Sendung führt er den – so oder so – geprügelten Sportler süffisant vor, informiert sogar – „neutral“ – über eine Internetseite, auf der man Rogan in einem Computerspiel schlagen, nein, nicht im spielerisch-sportlichen, sondern im wörtlichen Sinn, also verprügeln könne und lässt gegen Ende der Sendung den Skifahrer Rainer Schönfelder zu Wort kommen, der zu Ehrlichkeit aufruft und damit ebenfalls implizit unterstellt, Rogan könnte vielleicht doch…

Man kann Markus Rogan mögen oder auch ob seiner – angeblichen – Arroganz für unsympathisch halten. Ob er jedoch lügt oder nicht, ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht entschieden.

Nach österreichischem Recht gilt bis zum Beweis des Gegenteils – Gottlob – noch immer die Unschuldsvermutung.

In Dominic Heinzls Sendung „Hi Society“ aber offenbar nicht.

Verlierer sehen anders aus

Die Arme hoch, die Fäuste geballt, die Brust heraus gestreckt, vielleicht ein Jubelschrei, manchmal ein Lächeln – letzteres gehört aber nicht unbedingt dazu.

Zwei Psychologen (aus Kanada und den USA) wollen durch Analyse der Bildsequenzen von über 100 Judoka (Männer und Frauen, teils sehend, teils blind) aus 36 Nationen herausgefunden haben, dass Siegerposen im internationalen Vergleich einander sehr ähnlich sind. Sie dürften also angeboren sein. Nicht nur bei Menschen, übrigens. Affen verhalten sich hier ziemlich menschlich. Oder umgekehrt.

Die Siegerpose dient, so die Interpretation der Daten, nicht nur als Ventil für die Freude über den eigenen Erfolg. Sie ist darüber hinaus ein Signal an die eigene Gruppe: „Seht her, ich bin der Größte!“

Die Bilder wurden nach gewonnenen oder verlorenen Kämpfen bei den letzten Olympischen Spielen und Paralympics von Athen aufgenommen.

Interessant daran: Die Verlierer-„Posen“ unterscheiden sich, im Gegensatz zu denen der Sieger, im Vergleich der Kontinente stark voneinander. Denn während die angeborenen Ausdrucksformen für Erfolg intuitiv und gleichsam automatisch aus uns heraus brechen, hängen Art und Umfang der zur Schau getragenen Niederlage von unserem kulturellen Umfeld, sprich: von unserer Sozialisation ab.

Verlierer aus Westeuropa und Nordamerika zeigen ihre Scham viel weniger deutlich als jene aus anderen Nationen. Die Erklärung der Wissenschafter: Verlieren ist in unseren Breitengraden viel stärker stigmatisiert als in anderen Regionen der Welt.

Berg heil..?

Ich liebe die Berge. Und das Bergsteigen. Obwohl: Bergsteigen sollte ich es nicht nennen, denn ich gehe ohne Seil und schlage auch keine Befestigungshaken in den Fels. Das wäre mir dann doch ein wenig zu steil – im wahrsten Sinne des Wortes…

Nein, eigentlich meine ich Bergwandern. Aber immerhin bin ich dabei oft mehrere Stunden unterwegs. Meine längste und zugleich schönste Tour dauerte ca. 12 Stunden.

Eben weil ich die Berge liebe, verstehe ich die Faszination, die von ihnen ausgeht. Auch weiß ich, dass Menschen gerne versuchen, ihre eigenen Grenzen auszuloten und bis „ans Äußerste“ zu gehen. Dass sie dies in jeder dazu geeigneten Umgebung versuchen, also auch „am Berg“, liegt in der Natur der Sache. Denn wo, wenn nicht auf den höchsten Gipfeln dieser Welt, kann man schon bis „ans Äußerste“ gehen?

Bei all meinem Verständnis für die Liebe zum Berg und die menschliche Besessenheit, sich selbst besiegen zu wollen, kann ich aber dort nicht mehr mitgehen, wo Menschen aus eitlem Wahn ihr eigenes Leben oder das anderer gefährden.

Worin besteht die Faszination, bei Schnee und Eis und Temperaturen unter null Grad auf die Zugspitze zu laufen und dabei den Tod durch Erschöpfung zu riskieren? Was ist so reizvoll daran, den 8125 Meter hohen Nanga Parbat zu besteigen und dabei womöglich schwere Erfrierungen oder den Sturz in eine Gletscherspalte in Kauf zu nehmen? Sind all jene Skifahrer und Snowboarder tatsächlich Analphabeten, welche jedes Jahr aufs Neue die Schilder „Lawinengefahr“ ignorieren und ins unbefestigte Gelände fahren, wo sie von einem Schneebrett verschüttet werden können?

Nein, hier stößt mein Verstand an eine fundamentale Grenze. Nicht unbedingt deshalb, weil mir das bewusste sich selbst in Gefahr Bringen als veritabler Selbstmordversuch erscheint.

Wer sterben will, sollte das Recht und die Möglichkeit dazu haben.

Aber dass dadurch andere Menschen, hier in Gestalt von Bergrettern, gefährdet werden, halte ich für den Gipfel der Frechheit aller so genannten Selbstbezwinger. Wie kommen Menschen, die sich niemals freiwillig in derartige Gefahrensituationen begeben würden, dazu, die unzähligen Dummköpfe retten zu müssen, die in ihrem Wahn und ihrer Eitelkeit glauben, „es“ alleine zu „schaffen“?

Erst den „starken Mann“ markieren und dann gleichsam nach der „Mami“ um Hilfe zu rufen, ist ziemlich unmännlich. Dann lieber gleich zuhause bleiben.

Oder noch besser: Das eigene Leben dabei riskieren, möglichst vielen Menschen zu helfen, die unfreiwillig (durch Kriege, Naturkatastrophen, Krankheiten) in Not geraten sind. Das wäre doch eine echte Herausforderung, eine, die anzunehmen und zu bestehen auch mir hohen Respekt abnötigen würde – höher als der höchste Gipfel dieser Erde.

Berg heil..!

Netz-Café

Der Duft frisch gebrühten Kaffees und verführerisch leckerer Mehlspeisen liegt in der Luft. Papier knistert in den Händen schweigend in ihre Lektüre vertiefter Gäste. Hier und da ein Lachen, ein paar Wortfetzen, die sich mit dem „Klink-Klink“ abwechseln, das vom Schlagen eines Mokkalöffelchens oder einer Gabel gegen Tassen und Teller gleichsam aus dem Nichts in den Raum hinein erfunden wird.

Die Atmosphäre eines echten Wiener Kaffeehauses lässt sich nicht künstlich erzeugen oder virtuell nachbilden. Das Gefühl, eine Zeitung aus „Fleisch & Blut“, also aus Papier & Druckerschwärze, in Händen zu halten, ihren Geruch tief in sich einzusagen, vor und zurück zu blättern, ist einzigartig. Hier stößt unsere atemlose, beinahe unentrinnbar schnelle Gegenwart an die Grenzen eines geheimen Reiches freiwilliger Langsamkeit – und prallt an ihr ab.

Wenn ich gefragt werde, was ich an Wien liebe, so muss ich nicht lange nachdenken. Und dennoch gestehe ich: Auch ich kann der modernen Zeit nicht ganz entrinnen, will es auch nicht, da es einiges zu entdecken gibt im weltweiten elektronischen Netz, das es lohnt, „fremd zu gehen“.

Mein „Liebling“ ist

www.zeit.de

die Online-Version der wohl umfangreichsten Zeitung im deutschsprachigen Raum. Nicht, dass die „echte“ Zeit auch nur ansatzweise durch ihre kleine, elektronische Schwester ersetzt werden könnte. Aber immer wieder findet der ziellos umher flanierende Leser Geschichten, Hintergründe, Analysen und Schwerpunkte, die es rechtfertigen, sich hier auf zu halten. Übrigens: Ich glaube, mein „Apple“, mit dem ich mir die „Zeit“ von Zeit zu Zeit ins Haus hole, wiegt nur unmerklich weniger als die Originalausgabe aus Papier…

derstandard.at

ist bestimmt eine der attraktivsten „Seiten“ des Internet – aus Österreich. Informationen, Hintergrundstorys, Kommentare – wenn der Papier-„Standard“ nicht so gut in der Hand läge und sich durch seine lachsfarbene Andersartigkeit vom Rest der heimischen Medienwelt abheben würde, wäre ich versucht, zu sagen: Mir genügt die Internet-Version. Die kann ich weltweit lesen und fühle mich sofort zuhause – mit allen Vor- und Nachteilen dieser multimedialen „Heimatverbundenheit“…

teletext.orf.at und www.orf.at

Na klar, das musste ja kommen. In einem Land, wo der ORF – trotz diverser in- und ausländischer „Privater“ – nach wie vor ein fragwürdiges Monopolistendasein führt, komme auch ich nicht ganz umhin, mich seiner Angebote zu bedienen. Die Farbcodierung der ORF-Site ist einfach praktisch, das lässt sich nicht leugnen. Wer mehr, sprich: tiefer gehende Informationen sucht, darf hier natürlich nicht Halt machen. Die Online-Version des Teletext hat den Vorteil, dass sie knapp, also prägnant daher kommt und eine höhere Aktualität in kürzerer Zeit erreicht, sprich: Hier erfahre ich ziemlich am schnellsten, was sich in den letzten Minuten verändert hat. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die „copy/paste“-erfahrenen Redakteure zwei Browserfenster neben einander offen haben: Ihr eigenes und dasjenige der APA…

Zurück ins „Ausland“:

Mit der elektronischen Version der „Neuen Zürcher“

www.nzz.ch

sympathisiere ich vor allem wegen der „Dossiers“ und Hintergrundberichte. In Zeiten, wo die Geschwindigkeit von Sein und dem darüber Nachdenken erschreckende Ausmaße annimmt, finde ich es anziehend anarchistisch, wenn ein Online-Medium wagt, Texte ins Netz zu stellen, für deren Lektüre man länger braucht, als für den Verzehr einer Mozartkugel – oder meinetwegen eines einzelnen Gipfels einer Toblerone…