Notizblog

  • God save the King!

    Sehr lange musste Prince Charles warten, bis er endlich selbst auf den Thron durfte – im fortgeschrittenen Alter von über 70 Jahren.

    In diesem Alter haben die meisten von uns bereits ein paar Jahre Pension auf dem Buckel.

    Die Verabschiedung von seiner Mutter, Queen Elizabeth, findet derzeit mit großem Brimborium statt.

    Besonders beeindruckend daran: Tausende von Menschen stellen sich stundenlang an, bloß, um den Sarg ihrer Königin sehen zu dürfen.

    Die Briten liebten die Queen, das ist offensichtlich.

    Ob sie Prince Charles die gleiche Liebe entgegenbringen werden, bleibt abzuwarten – und auch, wie lange dieser den Job tatsächlich ausüben wird.

    Es ist durchaus vorstellbar, dass er die „Herrschaft“ noch zu Lebzeiten an seinen ältesten Sohn, Prince William, übergibt und sich wieder jenen Tätigkeiten widmet, die er bisher ausgeübt hat.

    So oder so:

    God save the King!

  • Dancing Queen

    Die finnische Premierministerin Sanna Marin ist mit ihren 36 Jahren einer der jüngsten Regierungschefs der Welt.

    Immer wieder tut sie Dinge, die Menschen in ihrem Alter so tun – selbstverständlich in ihrer Freizeit.

    Nun sind mehrere Videos aufgetaucht, die sie zusammen mit anderen Frauen und Männern auf einer privaten Party zeigen, wobei Marin ziemlich ausgelassen tanzt und offensichtlich großen Spaß hat.

    Sofort gab es Stimmen, die Marin kritisierten: Für eine Regierungschefin, so der Tenor, sei dies ein unprofessionelles Verhalten.

    Im Ernst?

    Wenn man sich ansieht, wie andere Spitzenpolitiker verkrampft versuchen, in der Öffentlichkeit ein Saubermann-Bild von sich zu zeichnen, aber hinter den Kulissen unmoralisch oder sogar illegal agieren, ist dieser Vorwurf lächerlich.

    Allerdings ist Sanna Marins Partylaune nicht alles, was ihr im aktuellen Fall vorgeworfen wird.

    Es könnte auf der privaten Veranstaltung, auf der die Premierministerin abgetanzt hat, Kokain geschnupft worden sein.

    Falls dies zutreffen und auch Marin die Droge genommen haben sollte, sieht die Sache wohl etwas anders aus.

    Ganz egal, wie man über Drogen denkt, eine Regierungschefin kann es sich nicht leisten, Kokain zu konsumieren. Denn das könnte ihr durchaus als verantwortungsloses Verhalten ausgelegt werden.

  • Zahlstunde

    Es ist soweit:

    Der ORF ist einem – aus seiner Sicht – bedeutenden Ziel ein Stück nähergerückt.

    Aus einem Entscheid des Verfassungsgerichtshofs geht hervor, dass die Möglichkeit, dass Konsumenten, die ORF-Inhalte ausschließlich über das Internet konsumieren (Stichwort „Streaming“), nichts dafür bezahlen, gegen die Verfassung verstößt.

    Mit anderen Worten:

    Das online zur Verfügung gestellte Programm darf nicht gratis sein, wenn jene, die über ein TV- oder Radiogerät verfügen, Rundfunkgebühren entrichten müssen.

    Das wirft natürlich eine Menge Fragen auf, eine der wichtigsten lautet:

    Muss der ORF neben seinem Flaggschiff auf dem Küniglberg in Wien auch noch neun Landesstudios betreiben?

    Ließen sich diese und mit ihnen ihr fest angestelltes Personal und die für dieses zu betreibende Infrastruktur nicht auch einsparen?

    Wenn sämtliche Österreicher, also auch jene, die weder über ein TV- noch über ein Radiogerät verfügen, künftig Gebühren entrichten müssen, bloß, weil sie Internetzugang haben, haben sie natürlich ein berechtigtes Interesse, die Kosten so gering wie möglich zu halten.

    Fairer wäre es, den Zugang zu ORF-Inhalten via Internet an die Benutzung eines individuellen Accounts zu knüpfen, der gegen eine bestimmte Gebühr freigeschaltet wird.

    Denn es ist schwer zu argumentieren, dass Menschen, die den ORF online nicht nutzen, trotzdem bezahlen oder ihren Internetzugang abbestellen müssen. Das käme vor allem für jene, die das Internet zum Arbeiten benötigen, einem Berufsverbot gleich.

  • Rosen & Kriege

    Michael Douglas und Kathleen Turner machten es 1989 vor – allerdings nur im Film:

    „Der Rosenkrieg“ war ein bitterböses Sittenbild eines Paares, das sich von Liebe zu gegenseitigem Hass mit tödlichem Ausgang entwickelte.

    Mindestens ebenso traurig, wenn auch nicht ganz so tragisch – die Beteiligten leben noch – gestaltete sich die echte Auseinandersetzung zwischen Johnny Depp und Amber Heard.

    Nun wurde sie in mehreren Anklagepunkten (er in nur einem) schuldig gesprochen.

    In der Gerichtsverhandlung ging es um Verleumdung (von Depp durch Heard), das Thema „häusliche Gewalt“ wurde nur indirekt abgehandelt, es bildete den Hintergrund der Eskalation des Konflikts, zu welchem sich die Beziehung der beiden Hollywood-Stars gewandelt hatte.

    Doch wer wem Gewalt angetan hat, er ihr oder sie ihm oder jeder von beiden dem jeweils anderen, das werden wir wohl nie erfahren.

    Depp hatte bezüglich der Beweise in der Verhandlung jedenfalls die besseren Karten, was nicht bedeutet, dass er nicht auch Gewalt gegenüber Heard ausgeübt haben könnte.

    Doch vor Gericht zählt nicht das, was vielleicht wirklich passiert ist (und nur Depp und Heard wissen können), es geht ausschließlich darum, was bewiesen werden kann.

    (Die Tatsache, dass eine Frau ihrem Mann ins Bett kackt, lässt ihren Charakter genauso irritierend erscheinen wie jene den seinen, dass ihr Mann schon frühmorgens betrunken durch die Wohnung torkelt und voller Aggression die Türen von Küchenkästen so fest zuschlägt, dass die Glasscheiben zerspringen.)

    Irritierend ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass mehrere Medien eine Niederlage für die #metoo-Bewegung aus dem Ausgang des Verfahrens abgeleitet haben.

    Doch lässt sich dieser Schluss tatsächlich ziehen?

    Ich denke, nein.

    Denn wenn die auch via Social Media von Vertretern beider Lager ausgetragene Auseinandersetzung zwischen Johnny Depp und Amber Heard einen wesentlichen positiven Aspekt aufzuweisen hatte, dann diesen:

    Gerade trotz der #metoo-Bewegung haben die Geschworenen offensichtlich streng „lege artis“ geurteilt, das heißt: sich auf das beschränkt, was durch Beweise ausreichend belegt war.

    Das mag für Amber Heard tragisch sein, falls mehr passiert sein sollte, als sie beweisen konnte.

    Es zeigt aber, dass der Rechtsstaat – zumindest in diesem Fall – funktioniert hat.

  • Recht und Gerechtigkeit

    Ist es richtig, Sanktionen gegen Ex-Politiker wie Gerhard Schröder und Karin Kneissl zu erlassen, weil diese in irgendeiner Form in geschäftlicher Beziehung mit Russland stehen?

    Eine schwierige Frage.

    Wenn es auf der Basis geltender Gesetze möglich ist, warum nicht?

    Doch wenn man extra für diese aktuellen Anlassfälle eine „Lex Schröder“ bzw. eine „Lex Kneissl“ schaffen müsste, wäre das eher fragwürdig.

    Dabei steht meines Erachtens außer Streit, dass die beiden ehemaligen Politiker sich von ihrem Russland-Engagement verabschieden sollten. Am besten freiwillig.

    Doch das dürfte wahrscheinlich nicht passieren. Zu gut dotiert sind die Jobs der Beiden – und für manche Menschen gilt am Ende des Tages eben leider immer noch der bekannte Spruch „Non olet!“ – „Geld stinkt nicht!“

    Doch wie auch immer:

    Gesellschaftlich ächten kann und sollte man Gerhard Schröder und Karin Kneissl schon, wenn sie nicht Flagge zeigen und sich hinter Europa und gegen Putin stellen.