Notizblog

  • Universal-Joker „Feminismus“?

    Der als „feministisch“ geltende Film einer ebensolchen Regisseurin, Marie Kreutzer, ist wegen Kritik an den illegalen Aktivitäten eines Hauptdarstellers in die öffentliche Kritik geraten.

    Mehrere Kinos haben den Film aus dem Programm genommen.

    Als Kandidat für den Auslands-Oscar ist „Corsage“, so der Name des Films, aber weiter im Programm.

    Nun hat auch noch eine Gruppe linker Künstler und Kulturschaffender (darunter so namhafte wie die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek) eine Lanze für den Film gebrochen.

    In einem offenen Brief fordern die Unterzeichner, der Film dürfe nicht boykottiert werden. Die Argumentation dafür lautet wie folgt:

    „Wir sind erschüttert, dass ein feministischer Film, der Machtverhältnisse und Rollenbilder hinterfragt, der international für seine visuelle Kraft und seinen Inhalt gewürdigt wird, wegen der Taten eines Mannes aus dem Kinoprogramm genommen und dadurch dem Täter eine Macht gegeben wird, die ihm nicht zusteht.“

    Während in den letzten Jahren einige Filme bzw. Serien deshalb aus der Öffentlichkeit verschwanden oder nach einer Nachbesetzung (teilweise) neu gedreht worden sind, weil (bis dahin unbewiesene) Vorwürfe gegen männliche Schauspieler erhoben wurden – Stichwort „#metoo“ -, geht es in diesem Fall um einen Täter, der geständig ist.

    Dennoch wird dieser Fall anders behandelt.

    Das ist irritierend, weil der Eindruck entsteht, unmoralisches und sogar illegales Handeln von an der Produktion eines Films beteiligten Personen ist nicht so schlimm, so lange der Film bzw. seine Regisseurin „feministisch“ ist.

    Zweierlei Maß, das geht gar nicht!

  • Neues „profil“?

    Das Nachrichtenmagazin „profil“ und ich haben eines gemeinsam: Wir wurden beide 1970 „geboren“.

    Oscar Bronner, der später die Tageszeitung „Der Standard“ gründete, hat im selben Jahr auch das Wirtschaftsmagazin „trend“ ins Leben gerufen.

    Trotz einiger inhaltlicher und formaler Änderungen, welche die Magazine durchlaufen haben, ist zumindest das „profil“ im Großen und Ganzen das geblieben, was es schon immer war:

    Ein seriöser und doch humorvoller Begleiter durch die wichtigsten Themen des Landes und der Welt, optisch ansprechend und inhaltlich anspruchsvoll von einem professionellen Team gestaltet.

    Nun zieht sich Christian Rainer, seit rund einem Vierteljahrhundert in Amt und Würden als Herausgeber und Chefredakteur, aus dem „profil“ zurück. Eine neue Chefredakteurin, Anna Thalhammer, zieht in die Redaktion ein, die betriebswirtschaftlichen Agenden übernimmt in der Funktion des Geschäftsführers Richard Grasl.

    Ob das „profil“ seiner mehr oder weniger neutralen, objektiv berichtenden Rolle treu bleiben wird, dürfte sich bald zeigen.

    Zu wünschen wäre es dem Magazin und seinem Team jedenfalls.

  • Gefährliche Kumpanei

    Die Protokolle der Chats von Thomas Schmid haben nicht nur Unappetitliches zutage gefördert in Bezug auf die politischen Ränkespiele hinter dem Vorhang der Öffentlichkeit.

    Sie zeigen auch, wie namhafte Journalisten von Qualitätsmedien sich mit den Mächtigen, denen sie eigentlich auf die Finger schauen sollten (Stichwort „Vierte Macht“), verhabern.

    So stolperte der Chefredakteur der Tageszeitung „Die Presse“, Rainer Nowak, über seine virtuelle Plauderei mit Schmid, in welcher er sich dessen Unterstützung bei der Wahl zum Generaldirektor des ORF erbittet – und umgekehrt Schmid freundlichere Berichterstattung verspricht (und diese auch realisiert).

    Dem nunmehr ehemaligen ORF2-Chefredakteur Matthias Schrom wiederum wurde sein Chat mit Heinz-Christian Strache zum Verhängnis, ein Chat, in welchem Strache FPÖ-kritische Berichterstattung beanstandet und Schrom Tipps gibt, wie die FPÖ das Problem lösen könnte („Ich denke Steger sollt das mit zib24 schon wissen und mal mit Totzauer/Geier reden. Die sollten schon wissen, dass sie auch nicht unter dem Radard sind.“).

    Im Internet kursieren auch Fotos, auf denen man „profil“-Herausgeber Christian Rainer sieht – zusammen mit Rainer Nowak, Eva Dichand und Gernot Blümel (im Hintergrund). In eher locker-amikaler Stimmung und einem ebensolchen Setting.

    Ein Treffen im privaten Rahmen?

    (Das Foto scheint ein Selfie zu sein, aufgenommen vom „profil“-Herausgeber.)

    Nun mag Rainer zwar einer der besten und renommiertesten Journalisten dieses Landes sein, allein, die Frage sollte ihm dennoch gestellt werden:

    Ist die Nähe zwischen ihm und einem ÖVP-Politiker zulässig?

    Rainer und andere Journalisten argumentieren ihr Naheverhältnis meist so, dass es ohne ein solches nicht möglich wäre, an Hintergrundinformationen zu gelangen.

    Diese Argumentation ist irritierend und zwar deshalb, weil es einerseits bedeuten würde, dass alle Journalisten, die nicht über ein solches Naheverhältnis zu den Personen, über die sie publizieren, verfügen, schlechten Journalismus anbieten.

    Andererseits würde diese Argumentation darauf aufbauen, dass den behandelten Personen (Politikern, Managern) von den entsprechenden Journalisten eine Nähe und somit ein Vertrauensverhältnis vorgegaukelt wird, das nicht wirklich besteht.

    Entweder, die Nähe ist gefährlich, weil sie den Journalisten hemmt, „zuzubeißen“, oder sie ist dem Politiker gegenüber unfair, der glaubt, sein Herz ausschütten zu können, die Inhalte eines Vier-Augengesprächs dann aber in der Zeitung nachlesen muss.

    Noch einmal die Frage:

    Muss ein guter Journalist die Nähe von Politikern suchen, weil er nur so über sie und ihre Themen seriös berichten kann, oder könnte sich da nicht eine gehörige Portion Eitelkeit untergemischt haben – die Eitelkeit, auf du und du zu sein mit den „Mächtigen“?

  • Ping Pong in Wien

    Langsam wird es unübersichtlich.

    Der ehemalige Kurz-Fan („Ich liebe meinen Kanzler“) Thomas Schmid will Kronzeuge werden. Um das zu erwirken, war er bereit, im großen Stil auszupacken und dabei einige der wichtigsten ÖVP-Politiker des Teams rund um den früheren Bundeskanzler Sebastian Kurz und diesen gleich mit zu beschuldigen.

    Sind die Vorwürfe – für jeden Betroffenen gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung – wahr?

    Wer mag das schon wissen!

    Doch die Annahme, dass Schmid sich all das, was er jetzt in Gesprächen mit der WKSta zu Protokoll gegeben hat, reine Fantasiegespinste seien, mit denen ihr Urheber die anderen aus reiner Bosheit vernadern möchte, ist nicht sehr plausibel.

    Und auch die Vermutung, der ehemalige ÖBAG-Chef und Generalsekretär im Finanzministerium würde mit dem Auftischen reiner Lügen bloß versuchen, seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, klingt nicht überzeugend.

    Warum sollte er das tun, wenn er damit rechnen muss, dass ihm nicht nur von den Behörden nicht geglaubt wird, sondern er sich außerdem eine Klage der durch sein Geständnis Beschuldigten wegen Verleumdung einhandeln könnte?

    Der heikelste Punkt an der Offenbarung von Schmid ist wohl dieser:

    Kann er seine Behauptungen beweisen?

    Denn selbst wenn sie wahr wären, würde dies weder Thomas Schmid selbst etwas bringen, noch könnte Österreich endlich um eine enttäuschte Liebe reifer werden.

    Nein, es geht nicht um jene von Schmid zu Kurz.

    Es geht darum, dass das Land vielleicht einmal mehr einem politischen Talent auf den Leim gegangen sein könnte und dringend eine kalte Dusche braucht, um endlich aufzuwachen und zu einer kritischeren Haltung dem ersten Anschein gegenüber zu gelangen.

  • God save the King!

    Sehr lange musste Prince Charles warten, bis er endlich selbst auf den Thron durfte – im fortgeschrittenen Alter von über 70 Jahren.

    In diesem Alter haben die meisten von uns bereits ein paar Jahre Pension auf dem Buckel.

    Die Verabschiedung von seiner Mutter, Queen Elizabeth, findet derzeit mit großem Brimborium statt.

    Besonders beeindruckend daran: Tausende von Menschen stellen sich stundenlang an, bloß, um den Sarg ihrer Königin sehen zu dürfen.

    Die Briten liebten die Queen, das ist offensichtlich.

    Ob sie Prince Charles die gleiche Liebe entgegenbringen werden, bleibt abzuwarten – und auch, wie lange dieser den Job tatsächlich ausüben wird.

    Es ist durchaus vorstellbar, dass er die „Herrschaft“ noch zu Lebzeiten an seinen ältesten Sohn, Prince William, übergibt und sich wieder jenen Tätigkeiten widmet, die er bisher ausgeübt hat.

    So oder so:

    God save the King!