Die Wiener Festwochen haben Peter Thiel, den US-amerikanischen Tech-Milliardär, also wieder ausgeladen. Die Entscheidungen dazu trafen der Intendant, Milo Rau, und die Geschäftsführerin, Artemis Vakianis.
Ein Gespräch zwischen Thiel und dem Theologen Wolfgang Palaver unter dem Titel „Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik“ hätte unter der Leitung von Rau am 7. Juni im Hotel Intercontinental in Wien stattfinden sollen.
Warum kam es zu der Absage?
Milo Rau: „Aus meiner Verantwortung für das Gesamtprogramm musste ich mich leider gegen die geplante Veranstaltung mit Peter Thiel entscheiden, obwohl ich diese extrem spannend und im Rahmen der ‚Republic of Gods‘ thematisch konsequent gefunden hätte.“
Tatsächlich hatten mehrere Beteiligte des künstlerischen Programms mit einer Absage gedroht, falls die Veranstaltung mit Peter Thiel über die Bühne gehen würde.
Nun kann man zu Thiel und seinen Ansichten stehen, wie man will. Und auch mit jemandem nicht diskutieren zu wollen, der fundamental andere Ansichten vertritt als man selbst, ist prinzipiell legitim.
Doch anderen Menschen ein Gespräch mit solchen Personen zu verbieten, ist extrem problematisch – und die Erpressung durch die erwähnten Künstler läuft genau darauf hinaus.
Warum weigern sich viele vor allem links sozialisierte Intellektuelle, mit einem „Rechten“ (was immer das in Bezug auf Peter Thiel heißen mag) in den Ring zu steigen? Liegt es wirklich nur daran, dass man ihm keine öffentliche Plattform und damit die Möglichkeit bieten möchte, seine – vielleicht – kruden Thesen zu verbreiten?
Das ist im Fall von Thiel insofern absurd, als er und seine Thesen schon längst bekannt sind. Und jeder, der sich detaillierter damit befassen möchte, kann das mit ein wenig Recherche tun.
Könnte es vielleicht auch daran liegen, dass man sich davor fürchtet, in einer solchen öffentlichen Diskussion dem Gegenüber rhetorisch oder vielleicht sogar argumentativ bei dem einen oder anderen Punkt unterlegen sein zu können?
Falls dies zutrifft, fände ich es traurig.
Unsere „public intellectuals“ sollten eigentlich jede Möglichkeit nutzen, problematischen Thesen mit Vernunft – also mit Logik und wissenschaftlicher Empirie – entgegenzutreten.
Das Gespräch mit Peter Thiel wäre eine gute Gelegenheit gewesen.