Ja eh, man kann die Regierung Israels kritisieren!
Keine Sorge, ich werde hier nicht den Nahostkonflikt kommentieren, das haben schon Klügere als ich getan – und sind kläglich daran gescheitert.
Ich werde auch nicht über den israelischen Regierungschef und die Politiker seiner Koalition schreiben, denn auch darum geht es mir nicht.
Was mich als Wiener dieser Tage – gestern war das Finale des diesjährigen ESC, der heuer in Wien ausgetragen wurde, weil er letztes Jahr von dem österreichischen Countertenor JJ mit dem Song „Wasted Love“ gewonnen worden ist – umtrieb:
Die von vielen Menschen in vielen Ländern erhobene Forderung, Israel nicht am ESC teilnehmen zu lassen.
Wegen seiner Nahostpolitik.
Doch was genau bedeutet das?
Der ESC ist ein Musikwettbewerb, zu dem Künstler anreisen, die zwar nominell ein Land vertreten. Doch damit ist nicht gesagt, dass sie dieses Land in allen Aspekten oder in allen politisch relevanten Aspekten vertreten.
Dieser Musikwettbewerb bietet die Gelegenheit, als Künstler aus einem bestimmten Land, mit einer Botschaft die Welt zu bereisen:
Friede, Freude, Eierkuchen – und natürlich:
Musik als die vereinende Kraft jenseits aller Differenzen.
Ich persönlich hätte ein Problem damit, wenn wir damit anfangen würden, Länder oder besser gesagt einzelne Künstler aus- oder gar nicht erst einzuladen, weil wir mit der offiziellen Politik der entsprechenden Länder nicht einverstanden sind.
Der Fanatismus des Schwarz/Weiß, der klaren Zuordnung zum Team der Guten oder dem der Bösen, ist die größte intellektuelle Seuche unserer Zeit.
Wir sollten sie rasch wieder loswerden und uns zugleich gegen künftige Infektionen immunisieren.